1972 - 1988: wechselhafte Jahre - Abstieg, 3x Cupfinale, Schulden
 

Die Meistermannschaft der 2. Division 1978
 

1972/73: Die teure Mannschaft der letzten beiden Jahre bringt die Austria zum 40-Jahr-Jubiläum an den Rande des Bankrotts: 10,5 Millionen Schilling Schulden hatten sich angehäuft. Um die trostlose Situation in den Griff zu bekommen, unterschreibt die Austria einen Werbevertrag mit „Gerngroß" und verkauft erstmals ihren Namen: der neue Name: „SV Gerngroß A. (Punkt!) Salzburg" stieß aber auf wenig Gegenliebe bei den Fans. Die Million Sponsorgeld pro Jahr wandert ebenso wie sämtliche Werbeeinnahmen direkt zu den Gläubigern. Der sportliche Abstieg (Endrang 7) schlägt sich auch in der Publikumsgunst nieder: der Besucherschnitt sinkt von 8700 (71/72) auf 4400.

1973-1975: Der ungeliebte Erich Hof wird durch den zurückkehrenden Günter Praschak ersetzt. Da das Budget von 9 auf 6 Millionen Schilling deutlich reduziert, und einige Spieler verkauft werden, wird in der Meisterschaft nur noch der 8. Endrang erreicht. Dafür trumpft die Austria im Cup auf: Nach Siegen über Bregenz/Bludenz, Eisenstadt, Donawitz und Wacker Innsbruck steht man im Finale gegen die Wiener Austria. Nach einer 1:2 Niederlage in Wien geht die Austria im Rückspiel durch Hala 1:0 in Führung. Doch der sicher geglaubte Cupsieg wird durch ein unnötiges Eigentor von Filzmoser in der 84. Minute noch verspielt. Das Lehener Stadion wird durch die Errichtung der Flutlichtmasten 1974 zum modernsten Stadion Österreichs. Auch in der folgenden Saison 74/75 ist die Austria mit Rang sieben in der Meisterschaft nur Mittelmaß.

1975/76: Trotz des Abgangs von Grosser, Kibler und Hirnschrodt gelingt der Austria eine vorerst letzte starke Saison. Der neue Torhüter Rettensteiner und die gefürchteten Konterstürmer Wolfgang Schwarz und Haider haben wesentlichen Anteil am 4. Endrang, der zur Qualifikation für den UEFA-Cup reicht.

1976/77 ist die wahrscheinlich wechselhafteste Saison der Salzburger Austria. Der neue Trainer Hansi Reich, Schüler von Max Merkel, bringt die Austria zunächst zurück an die Spitze: Nach 10 Runden liegt man mit 12 Punkten, nur einen Punkt hinter Leader Innsbruck, an zweiter Stelle. Acht Runden später ist die Austria, noch immer mit 12 Punkten, Schlußlicht, das man bis zum Saisonende auch bleibt. Im UEFA-Cup erreichte die Austria dafür erstmals die zweite Runde: nach einer 2:0 Auswärtsniederlage bei Adanaspor werden die Türken im Lehener Stadion mit 5:0 (Schwarz 3x, Haider 2x) abgeschossen. Das Heimspiel gegen die Spitzenmannschaft Roter Stern Belgrad sorgt in der zweiten Runde für einen neuen Besucherrekord im Stadion (18.000) und für eine mittlere Sensation: durch Peter und Wolfgang Schwarz (Elfer) wird ein 0:1-Rückstand in einen Heimsieg verwandelt. Für das Rückspiel rechnete man sich dennoch kaum Chancen aus. Von 23 (!) Schlachtenbummlern unterstützt lieferte die Austria in Belgrad eine großartiges Spiel. Darf man den Zeitungsberichten trauen, scheitert die Austria eigentlich nur am „Unparteiischen" Taylor (England), der uns nach allen Regeln der Schiedsrichterkunst bedient. Der entscheidende Treffer in der 81. Minute zum 1:0 für Roter Stern fiel demnach nach einem vorhergegangenen klaren Stürmerfoul. Bevor sich die Austria in die Tiefen der zweiten Liga begiebt, wird noch eine erfolgreiche Südamerika-Tournee bestritten: beim Hexagonol-Turnier besiegt die Austria unter anderen den Pele-Club FC Santos mit 1:0 und belegt den 2. Platz noch vor Everton, Colo-Colo und River Plate.

1977/78 gelingt der sofortige Wiederaufstieg aus der zweiten Liga. Günter Praschak verläßt den Verein wieder und Karl Kirchberger wird neuer Klubchef. Im Cup gelingt der Vorstoß bis ins Semifinale, erst dort scheitert die Austria an VOEST Linz.

1978/79: Der mittlerweile finanziell wieder gesunde Verein gewinnt erstmals ein verläßliches Unternehmen als Hauptsponsor: die Österreichische Spielbanken AG. Leider fordert diese auch einen hohen Tribut, denn mit dem neuen Sponsor verschwindet der tradtitionelle Vereinsname „Austria" aus dem offiziellen Sprachgebrauch, SV Casino Salzburg heißen wir ab nun. Aus den Herzen der Fans konnte die Austria allerdings, bei allen Bemühungen der Verantwortlichen, nie verbannt werden: noch immer lauten alle Gesänge und Sprechchöre auf „Austria".

Sportlich gilt die Devise „zu Hause hui - auswärts pfui", was schließlich den beachtlichen 6. Endrang bedeutet.

1979/80 belegt die Austria in der Meisterschaft wiederum den sechsten Rang und im Cup erreichen wir zum zweiten Mal das Finale: nach Siegen über Bregenz, Sturm, Wolfsberg und St. Veit heißt der Finalgegner abermals Austria Wien. Das Heimspiel vor nur 7000 Zusehern wird durch ein Tor von Leo Weiss 1:0 gewonnen, auswärts unterliegen wir durch Tore von Schachner und Gasselich 0:2.

1980/81: Aufgrund des Doubles von Austria Wien kann die Salzburger Austria im Cup der Cupsieger antreten. Gegen Fortuna Düsseldorf gibt es allerdings nur einen blamablen Kurzauftritt: 0:3 daheim, 0:5 auswärts, Gesamtscore 0:8 lautete die bittere Bilanz. In der Meisterschaft läuft es auch nicht sonderlich gut, Trainer Rudolf Strittich wird bald von Gustl Starek abgelöst. Mit dem 9. Platz (Zehnerliga) entgehen wir nur knapp dem Abstieg. Im Cup wird hingegen wiederum Großes geleistet. Nach Siegen über Wattens, Vorwärts Steyr und den LASK trifft die Austria im Halbfinale auswärts auf den Wiener Sportclub. Nach einem 3:3 nach Verlängerung kommt es zu einem denkwürdigen Elfmeterschießen: weil die Elfmeterschützen im Training erbärmlich schossen, kommt der 37jährige, schon ziemlich füllige Co-Trainer Turl Kibler zu einem unerwarteten Comeback - und verschießt prompt seinen Elfer. Dennoch steigt die Austria mit 5:4 Elfern auf. Im Finale siegt die Austria zunächst daheim gegen den GAK durch ein Tor von Schildt 1:0, was aber wieder einmal zu wenig ist: auswärts setzt es nach Verlängerung in Graz-Liebenau eine 0:2 -Niederlage, womit die Austria schon zum dritten Mal im Cupfinale denkbar knapp scheitert.

1981/82 wird die Austria unter Trainer Joschi Obert nur aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber dem LASK Vorletzter, der Abstieg ist aber aufgrund der Wiedereinführung der 16er Liga (kein Absteiger) ohnehin kein Thema. Ein guter Transfer gelingt mit dem Kauf von Torhüter Zilimir Stincic, dafür verläßt der junge Leo Lainer die Austria Richtung Rapid, ein Jahr später folgt ihm auch Hermann Stadler.

1982/83: Nach einem schwachen Auftakt holt Trainer Obert nach über einem Jahr der Verbannung Hannes Winkelbauer zurück in die Kampfmannschaft, und der 35jährige führt die Austria wieder in das Vorderfeld der Liga - Endrang 5. Besonders erstaunlich ist der 1:0 Auswärtssieg bei Austria Wien, bei dem die Mannschaft, aufgrund von Geldmangel, zur Matinee erst am Spieltag um 4.00 Früh aus Salzburg anreiste.

1983/84: Eine durchschnittliche Saison der Austria, Endrang 10. Rudolf Quehenberger löst Karl Kirchberger als Präsident ab und übernimmt die Haftung für den Großteil der schon wieder auf 12 Millionen Schilling angewachsenen Schulden.

1984/85: Die Austria wird zu einem der Opfer der Reduzierung der Liga von 16 auf 12 Vereine. Als 15.-Plazierter verläßt die Austria für vier Jahre die oberste österreichische Spielklasse. Für ein Jahr geht damit auch die Vorherrschaft der Austria in Salzburg zu Ende, denn der SAK steigt genau in diesem Jahr in die erste Liga auf.

1985-1988: drei relativ trostlose Zweitligasaisonen. Sportliche Höhepunkte sind jeweils die Derbies gegen den SAK sowie den USV (später FC) Salzburg. In der Aufstiegsrunde scheitert die Austria (im Frühjahr spielten die ersten 4 der zweiten Liga gegen die letzten 4 der ersten Liga um den Aufstieg) zweimal deutlich. In der Saison 85/86 wird nicht einmal die Aufstiegs-Play-off erreicht, nur der Klassenerhalt kann sichergestellt werden. Der mißlungene Wiederaufstieg und die drückende Schuldenlast bewegen die Generalversammlung 1986 zu einer Kamikaze-Aktion: mit 23 gegen 3 Stimmen wird die „Unterwerfung" unter den SAK beschlossen. Der Casino-SAK scheint beschlossene Sache, doch die SAK-Generalversammlung lehnt die Fusion ab. DANKE, SAK!!!

Allerdings zeigt sich in den kurzen Erfolgsserien, daß das Publikumspotential der Austria nach wie vor enorm ist: Bis zu 12.000 Zuseher verfolgen die Spiele in der zweiten Liga. Ein junger Lungauer Spieler ist schon damals das große Zugpferd, wird aber 1988 zu Rapid verkauft: Heimo Pfeifenberger.

[retour]
 
[an error occurred while processing this directive]