1956 - 1972: Vom "Paternosterklub" zur Spitzenmannschaft
 

Peter Grosser, Austria-Superstar Anfang der 70-er Jahre
 

1956 - 1967: Die Fahrstuhljahre der Austria

1956/57 lernt die Austria erstmals in ihrer Vereinsgeschichte das Wort „Abstieg" kennen, welches in den kommenden Jahren, ebenso wie „Wiederaufstieg" zum fixen Wortschatz der Fans und Spieler gehört. Nachdem man im Herbst noch den 9. Rang belegt hatte, reicht es im Frühjahr nur mehr zu Platz 13 (14-er Liga).

1957/58: scheitern wir als Tauernligameister in der Aufstiegsqualifikation am WSV Donawitz.

1958/59: im zweiten Anlauf gelingt der Wiederaufstieg, nach Siegen über Radenthein und den FC Lustenau („Westmeister") wird Stadlau mit einem Gesamtscore von 4:2 eliminiert.

1959/60: Nach dem katastrophalen Saisonstart der jungen Austria-Mannschaft entschließt sich Präsident Karl Sachs zum Kauf eines hochkarätigen Stars: Erich Probst wird für die Rekordtransfersumme von 90.000 Schilling vom FC Zürich verpflichtet. Und mit 15 Toren trägt Probst wesentlich zum 11. Platz und damit zum Klassenerhalt bei.

1960-1967: Die Jahre werden zum Höhepunkt des „Fahrstuhldaseins" der Austria. Für die neugeschaffene Westliga zu stark, für die Staatsliga (bzw. ab der Saison 65/66 Nationalliga) zu schwach: drei Abstiege und ebensoviele Aufstiege sind die Folge, nur in der Saison 63/64 gelingt der sofortige Wiederaufstieg nicht. International erreicht die Austria hingegen beachtliche Resultate: 1961 werden Ferencvaros mit 3:2 und Altay Izmir 3:0 geschlagen, gegen den Deutschen Meister Nürnberg erreicht die Austria ein beachtliches 0:0. 1964 unterliegt die Austria Espanol Barcelona (mit den Superstars Alfredo di Stefano und Ladislaus Kubala) in Lehen nur mit 0:2. Und auch der erste „waschechte" Salzburger im Nationalteam stammt aus dieser Zeit: Linksaußen Adi Macek debütiert beim legendären 3:2 Sieg Österreichs in Wembley.

1967 - 1972: Austria kommt an die österreichische Spitze

1967/68: Nach dem Wiederaufstieg 1967 werden in Salzburg die Fundamente für einen Spitzenklub errichtet. Der neue sportliche Leiter Günter Praschak holt von Austria Wien den 19-fachen Nationalspieler Horst Hirnschrodt und das „Problemkind" Karl Kodat. Die neuformierte Mannschaft hat in der ersten Saison noch Probleme und erreicht nur Rang 12.

1968/69: Mit weiteren Verstärkungen (u.a.: Teamkeeper Roman Pichler und Ferdl Janotka) hat die Austria erstmals mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun und erreicht die bisher beste Plazierung, Rang 6. Die sportlichen Erfolge bringen auch Bewegung in die seit Anfang der 60er Jahre heiß diskutierte Stadionfrage: der Neubau des Lehener Stadions um 30 Millionen Schilling wird beschlossen, und auch die zunächst nicht geplante Überdachung der Stehplatztribüne wird abgesegnet. Vor allem ist der Stadionneubau aber dem seit Sommer ´68 amtierenden, neuen Austria-Präsidenten Landesrat Sepp Weißkind, zu verdanken. 1968/69 ist auch die erste Saison der Austria mit einem Dressen-Sponsor („Thalhammer").

1969/70: Der bis zu diesem Zeitpunkt genialste Transfer der Austriageschichte gelingt im Sommer´69: der bei 1860 München im Abseits stehende Peter Grosser kommt zum Nulltarif nach Lehen, und die „Löwen" zahlen sogar noch die Gage für das erste Jahr. Mit den weiteren Neuverpflichtungen Blutsch und Filzmoser gilt die Austria erstmals als seriöser Anwärter auf einen Spitzenplatz. Gerade in diese Zeit fällt leider der Stadionneubau, weshalb die Austria für zwei Jahre auf die Anlage des ASV nach Itzling übersiedeln muß. Die hochgeschraubten Erwartungen erfüllen sich anfangs nicht, und nach zwei Auftaktniederlagen wirft Günter Praschak unter massiven Publikumsprotesten das Handtuch. Sein Nachfolger als Trainer wird Karl Schlechta. Bis zum Herbst arbeitet sich die Austria auf Rang vier vor, aber in der Endabrechnung reicht es nur zum enttäuschenden 8. Rang.

1970/71: Torhüter Adi Antrich, Karl Ritter, Heinz Libuda und weitere hochkarätige Verstärkungen verhelfen der Austria zu ihrem besten Jahr der Vereinsgeschichte. Im Intertoto-Bewerb wird gegen starke Konkurrenz (u.a.: Kaiserslautern) der Gruppensieg geholt und eine großartige Hinrunde wird durch ein 1:0 bei Wattens mit dem Herbstmeistertitel gekrönt. In der Winterpause gewinnt die Austria das Wiener Stadthallenturnier und wird sogar in die Dortmunder Westfalenhalle zu einem Spiel gegen die deutsche Bundesligaauswahl (u.a. mit Netzer, Overath, Vogts) eingeladen (Resultat 8:4 für die Bundesligastars).

In der zweiten Frühjahrsrunde feiert die Austria ihren bis dahin größten Sieg: auf dem verschneiten Itzlinger Feld bei -11°C wird Austria Wien durch Tore von Kodat (4), Ritter und Weidinger mit 6:0 deklassiert. Zum vorentscheidenden Spiel um die Meisterschaft gegen den Titelrivalen Wacker Innsbruck begleiten 7000 Fans die Austria auf den Tivoli. Aber eine umstrittene Aufstellung (Gustl Thaler statt Standardverteidiger Hans Klopf als Manndecker von Innsbrucks Poldl Grausam) rächt sich bitter: Grausam erzielt zwei frühe Tore für Innsbruck und der Austria gelingt durch Ritter nur mehr der Anschlußtreffer. In der Endabrechnung fehlt dann genau ein Punkt zur Erringung des Titels und die Austria muß sich mit dem Vizemeister begnügen. International erreicht die Austria durch Siege über Vasas Budapest, Lanerossi Vicenza und Csepel Budapest das Mitropacup-Finale, unterliegt aber der bosnischen Mannschaft Celik Zenica mit 1:3.

1971/72: Die mißglückte UEFA-Cup-Premiere gegen UT Arad (Rumänien) ist der erste Höhepunkt der neuen Saison: nach einer 1:4-Auswärtsniederlage reichte ein 3:1 im Heimspiel (am SAK-Platz) nicht ganz zum Aufstieg. Das Arad-Heimspiel ist zugleich das letzte Spiel vor der Rückkehr ins neue Lehener Stadion. Das Eröffnungsspiel im Lehener Stadion vor 12.000 Zusehern gegen die tunesische Nationalmannschaft artet allerdings in eine handfeste Keilerei aus: Grosser und ein Tunese werden ausgeschlossen. Die Austria gewinnt zwar 3:2, verliert aber viele Sympathien. In der Meisterschaft wird nach dem Kodat-Abgang zu Royal Antwerpen unter dem neuen Trainer Erich Hof der vierte Rang erreicht

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