Das Ende des FKV - wie geht es weiter?

16. 02. 1998 - ein fast schon historisches Datum: bei der Fanclubsitzung im Gasthof Haslauer erklärt Toni "bla-bla" Pichler-Nachfolger Harry Böhaker die Aera des Fankoordinationsvereins für beendet. Eine jahrelange Forderung der denkenden Fanclubs wurde endlich in die Tat umgesetzt. Als Nachfolgeorganisation ist eine neue, demokratisch aufgebaute Vertretung mit dem modischen Namen Fanservicecenter (weil mir der Name überhaupt nicht gefällt in der Folge FSC genannt) geplant.

Was soll man sich darunter nun vorstellen? Das Konzept sieht folgendermaßen aus: die Mitglieder der diversen Fanclubs werden gegen einen noch festzusetzenden Beitrag (300 Schilling pro Jahr werden derzeit diskutiert) im FSC zusammengefaßt und erhalten dafür diverse Vergünstigungen vom Verein (hauptsächlich dreht es sich natürlich um Dauerkarten). Diese Mitglieder des FSC erhalten allerdings nur den außerordentlichen Status, haben also weder stimm-, noch Wahlrecht. Von der Anzahl der außerordentlichen Mitglieder hängt es dann ab, wieviele ordentliche Mitglieder jeder Fanclub stellen kann. Fanclubs mit 10 - 25 Mitgliedern stellen ein ordentliches Mitglied im FSC, Fanclubs mit 26 - 50 Mitgliedern zwei, von 51 - 100 Mitgliedern drei und Fanclubs mit über 100 Mitgliedern (sowas gibt es derzeit ohnehin nicht) könnten durch 4 ordentliche Mitglieder im FSC repräsentiert werden. Unter den ordentlichen Mitgliedern findet dann die Wahl der Vereinsorgane statt: wie üblich werden Obmann, Kassier, Schriftführer und die jeweiligen Stellvertreter gewählt. Die Schlüsselpositionen müssen dabei von mindestens drei verschiedenen Fanclubs besetzt werden. Dazu kommt in den Vorstand noch Betty Morelli, die Fanbeauftragte des Vereins. Aus den Mitgliedsbeiträgen und eventuellen Sponsorbeiträgen könnten dann diverse Aktionen (Choreographien, Busfahrten, ...) bezahlt bzw. unterstützt werden. Vierteljährlich sollten Versammlungen der ordentlichen Mitglieder stattfinden, bei denen der Vorstand sozusagen Rechenschaft liefert.

Was sind nun die Vorteile, was die Nachteile dieser Organisationsform:

Vorteile:

es steht ein gewisser Betrag zur Verfügung, über den die Fans selbst bestimmen können (bisher sind zwar auch dem FKV pro Jahr schon 6-stellige Beträge pro Jahr zur Verfügung gestanden, das Geld versickerte allerdings in ungeklärten Kanälen.
der einigermaßen demokratische Aufbau garantiert die Kontrolle des Vorstandes durch die Mitglieder, was bisher überhaupt nicht gegeben war.
eine Vertretung in der alle Fanclubs organisiert sind könnte zu einem "wir-Austria-Fans-Gefühl" beitragen, das sich bisher nur auf die Fanclubs beschränkt hat ("wir Tough Guys", "wir Absolute" ...)
Nachteile:

Ich persönlich glaube, daß das Konzept für Salzburger Verhältnisse überdimensioniert ist. Es wird nicht leicht sein, Leute zu finden, die sich die Arbeit in einem zusätzlichen Verein antun. Wer macht schon gerne einen Kassier in so einem Verein??? Die aktiven Leute "schupfen" schon jetzt den Großteil der Arbeit in ihren Fanclubs und werden durch einen zusätzlichen Verein noch mehr belastet.
Die Fanclubmitglieder werden nicht gerade begeistert sein, zusätzlich zum Fanclubbeitrag einen FSC-Beitrag zu zahlen.
Aus meiner Sicht wäre ein lockere Interessensgemeinschaft der Fanclubs eine angemessenere Basis, denn es gibt ohnehin nur 10 bis 15 Leute, die bereit sind, wirkliche Fanarbeit zu leisten. Die Finanzierung könnte ähnlich dem FSC funktionieren, nur sollte man die Organisation nicht als Verein führen. Es wäre denkbar, daß der Verein ein "Fankonto" einrichtet, auf das die Fanclubs die Mitgliedsbeiträge einzahlen. Falls zusätzlich noch Sponsoren gewonnen werden, könnte diese Summen ebenfalls hier gesammelt werden. Bei Versammlungen der Fanclubvertreter würden dann konkrete Projekte beschlossen und über das Fankonto finanziert.

Im Prinzip wird sich das Funktionieren dieser Vereinigung vor allem an einer anderen Problematik entscheiden: und zwar am Fansektor und insbesondere daran, ob sich der Verein einen Fansektor leisten will. Bei diesem Dauerproblem kamen wir immerhin einen Schritt weiter: im linken Randblock des Sektors 5 (vom Spielfeld aus gesehen) sollte dieser Sektor entstehen, und die Fanclubs sind auch bereit, sich dort zu versammeln. Vom Verein werden derzeit die Vorarbeiten geleistet, um die derzeitigen Dauerkarteninhaber zu übersiedeln. Wie es aussieht kann der lang ersehnten Fansektor eigentlich "nur" mehr am finanziellen scheitern: um wirklich alle Leute dorthinzubekommen dürfte die Dauerkarte nicht wesentlich teurer sein als ein Stehplatzabo, anderenfalls werden sich wieder viele lieber den billigeren Steher kaufen.

Zusammenfassend kann man sagen, daß Harry Böhaker und seinem Team wirklich mit viel Elan an die Arbeit gehen, und man jetzt den Eindruck hat, daß die Fans nun endlich eine Ansprechstation haben, die nicht nur schöne Reden schwingt (Toni Pichler läßt grüßen). Wunder kann man auch vom neuen Manager keine erwarten, aber in einer gemeinsamen Anstrengung sollten wir doch einige Verbesserungen für die Fans erreichen. Auch wenn das vorgelegte Konzept bei weitem nicht 100 prozentig meinen Vorstellungen entspricht, kann es zumindest eine Basis sein, und die Fans sind jetzt aufgerufen, sich zu engagieren. Vom Verein müßte aber jetzt auch die Bereitschaft kommen, die Fans zu unterstützen, auch wenn es in der derzeitigen finanziellen Misere schwierig ist.

Eine Woche später hat sich mittlerweile die Frage, ob sich der Verein einen Fanblock leisten will, geklärt: Die Antwort ist leider NEIN. Die Preise der Dauerkarten für den neuen Fanblock (der jetzt wohl keiner werden wird) stehen nämlich mittlerweile fest: 2500 Schilling kostet das Jahresabo im oben beschriebenen Bereich der neuen Sitzplatztribüne, dazu kämen noch die 300 Schilling Mitgliedsbeitrag im FSC. Damit ist wohl sicher, daß diejenigen, die sich zur Zeit in den Stehplatzsektoren 6 und 4 befinden, nicht übersiedeln werden (1000 Schilling Preisunterschied zwischen Stehplatz und Fanblock-Sitz/Stehplatz sind zu viel). Der diskutierte Fanblock ist damit noch vor seiner Gründung zum Scheitern verurteilt, man hätte sich die ganze Diskussion sparen können. Der einzige Effekt wird sein, daß die Leute, die schon jetzt auf der Sitzertribüne stehen, nach rechts verschoben werden und der Kontakt zwischen den Stimmungsmachern in den Sektoren 5 und 4 endgültig abreißen wird. Ob die zusätzlichen 200.000 Schilling (eine um 500 Schilling billigere Karte für knapp 400 Leute), die ein funktionierender Fanblock dem Verein gekostet hätte, gut gespartes Geld sind, bezweifle ich stark. Bei einem Dauerkartenpreis von 2000 Schilling wären sicher alle übersiedelt, die Stimmung in Lehen wäre wieder wesentlich besser geworden, was möglicherweise auch auf den sportlichen Erfolg der Mannschaft Auswirkungen gehabt hätte. Aber dem "Rudi wir danken Dir" Quehenberger sind diese kurzfristigen minimalen finanziellen Einbußen schon zuviel, auch wenn das Geld indirekt sicher wieder hereingekommen wäre: früher sind viele Leute nur wegen der guten Stimmung ins Stadion gekommen, ganz abgesehen davon, daß die Publikumsunterstützung vielleicht gerade den einen oder anderen entscheidenden Punkt im Kampf um einen UEFA-Cupplatz bringen könnte. Aber von einem Präsidenten, der innerhalb kürzester Zeit -zig Millionen aus UEFA-Cupfinale und Championsleague verpulvert, kann man wirklich keine längerfristige Planung erwarten. Die leidtragenden sind wieder einmal die Fans, denn diese Preispolitik wird schon bald zur endgültigen Friedhofsatmosphäre in Lehen führen

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