Stadion Lehen - Dauerproblem!

Es war einmal ein herrliches Stadion im Salzburger Stadtteil Lehen, mit einer wunderschönen Stehplatztribüne. Auf dieser Tribüne versammelte sich DAS Salzburger Fußballpublikum, vom Opa, der noch die Gründungsjahre miterlebt hat, bis zum Jungsupporter, der seine Gashupe mit violett-weißen Isolierbandln verzierte. Die Atmosphäre, die von dieser Tribüne ausging, war phantastisch, man fand in Österreich nichts, was ihr auch nur annähernd das Wasser hätte reichen können. Doch eines Tages kam ein böser Zauberer mit dem Namen Fusions-Rudi, der der Meinung war, daß Geld wichtiger als Stimmung ist, und begann systematisch, die Stehplatztribüne zu demontieren.

Der erste Schritt war für den Durchschnittsbesucher noch nicht allzu auffällig, aber für Schüler und Studenten der erste traurige Einschnitt: ohne irgendeine Vorankündigung wurden für die Stehplatztribüne nur noch Vollpreiskarten verkauft, wodurch es zur Abwanderung dieser wenig finanzkräftigen Schicht kam. Daß erstmal in Salzburg eine bestimmte Besucherschicht von dieser Tribüne ausgeschlossen wurde, zeigte bereits die traurige Richtung, in die es gehen würde, aber es sollte noch viel schlimmer kommen: in der Winterpause ´92/´93 wurden, unter dem Vorwand der "UEFA-Richtlinien", auf unserer Stehplatztribüne häßliche blaue Plastikschalen montiert. Diese sollten in Zukunft von fetten Ärschen gewärmt werden, für die zwar das Motto "Raunzen statt Stimmung" gilt, die aber mehr Geld in die Klubkassa bringen. Und das war der einzig wahre Grund, denn der Vorwand der UEFA-Richtlinien war nur ein willkommener Anlaß für die Versitzplatzung. In Zahlen ausgedrückt: seit der Versitzplatzung fanden genau 6 (in Worten: sechs) Europacupspiele (Dunajska Streda, Royal Antwerpen, Sporting Lissabon, Steaua Bukarest, Sparta Prag und RSC Anderlecht) in Lehen statt. Wobei bei den ersten vier Spielen problemlos noch Ausnahmegenehmigungen der UEFA für Stehplätze zu erhalten gewesen wären. Soweit zum Märchen, daß die UEFA-Richtlinien der Grund für die Versitzplatzung gewesen wären.

Aber man muß auch den Fans vorwerfen, daß sie sich nicht bzw. viel zu spät gegen diesen Wahnsinn gewehrt haben. Die Pläne waren bekannt, aber die damaligen Capos waren unfähig, eine ernstzunehmende Protestaktion auf die Beine zu stellen. Erst als die Sitze schon montiert waren, wurde in einer halbherzigen Aktion bei einem Spiel für 15 Minuten ein minimaler Teil der Tribüne geräumt. Dazu kamen noch ein paar "Sitzer raus"-Sprechchöre, das war´s. Daß man mit derart lächerlichen Protesten keinen geldgeilen Klubpräsidenten zum Umdenken bewegen kann, liegt auf der Hand.

So vergingen die Jahre, die Stimmung war nach dem Meister- und Europacuprausch längst beim Teufel, die Fans waren zerstritten und in unzählige Sektoren des Stadions zerstreut. Außerdem hatte man noch mit anderen Problemen zu kämpfen, ich sage nur Fankoordinationsverein. Erst als sich - bedingt durch den sportlichen Absturz der Mannschaft - auch bei den Fans die Spreu vom Weizen trennte, wurde 1998 ein neuer Anlauf gestartet, um wieder einen gemeinsamen Fanblock einzurichten. Der Plan: im (vom Spielfeld aus gesehen) äußerst linken Block der ehemaligen Stehplatztribüne sollte der gemeinsame Sektor entstehen. Doch wie nicht anders zu erwarten, kam sehr bald Widerstand gegen diese Pläne auf. Die unzähligen Dauerkartenfanclubs, von denen man im ganzen Jahr nie etwas hört, und die nur dann aus ihren Löchern kriechen, wenn es um die Vergabe der ermäßigten Dauerkarten geht, zeigten endlich ihr wahres Gesicht: "Stimmung? Gemeinsamer Fansektor? Das interessiert uns nicht, wir wollen auf unseren subventionierten Plätzen SITZEN bleiben." Der Verein mußte sich also entscheiden: gibt man den wenigen aktiven Fanclubs die Möglichkeit, wieder Stimmung ins Stadion zu bringen, und verärgert die restlichen 80% der Dauerkartenfanclubs? Oder gibt man den Raunzern und Nörglern nach, und alles bleibt beim alten? Was soll man sagen, der Verein entschied sich für die Dauerkartenfanclubs und gegen die Supporter, und damit ist für die nächsten Jahre der Zug in Richtung Fanblock mit guter Stimmung in Lehen endgültig abgefahren.

So traurig es klingt: durch diese katastrophale Situation sind die Supporter gezwungen, den Stronach-Märchen- und Kommerztempel in Wals zu unterstützen, da sonst in absehbarer Zukunft kein gemeinsamer Fanblock in Salzburg realisierbar wäre. Und man muß aus diesem Grund auch für eine Absiedlung vom traditionellen Stadtteil Lehen plädieren, obwohl uns dabei allen das Herz blutet. Die Geldgier und Kommerzialisierung des Fußballs hat wieder ein Opfer gefordert: ein Stadion, das einstmals als das schönste und modernste Österreichs galt

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