Die Vereinspolitig des SV Casino Irgendwas,...

Der "ideale Fan" des "SV Casino Wüstenrot VJV Hypobank ...Salzburg" sieht folgendermaßen aus: weiblich, Alter: 10 - 15 Jahre, mit wohlhabenden Eltern, die ihrem Sprößling vor dem Spiel noch jede Menge Sponsor-Schrott aus dem Fanshop kaufen. Weil aber mit dieser Zielgruppe nicht genug Eintrittsgeld verdient werden kann, sind zusätzlich noch Sitzplatzdauerkartenkäufer erwünscht, die aber ein wesentliches Kriterium zu erfüllen haben: Kritikunfähigkeit. Sprich, es muß diesen Leuten auch wirklich egal sein, wie der Verein heißt, ob sein Schal gelb-grün oder rosa-braun ist, und auch das peinlichste Logo sollte er für gut heißen. Um dieses Ziel zu erreichen, war es natürlich zunächst notwendig, die bis Anfang der 90-er Jahre bestehende, klassische Fanstruktur zu zerstören.

Der erste wesentliche Schritt in diese Richtung bestand darin, den bis dahin besten Fanblock Österreichs zu vernichten: die Stehplatztribüne des Lehener Stadions wurde in der Winterpause 1992/93 "versitzplatzt". Wirklich Sinn machte diese Aktion aber erst dadurch, daß die Austria den Fans keinerlei Alternative bot. Die für die Stimmung im Stadion verantwortlichen Leute wurden dadurch in die verschiedensten Sektoren verstreut und viele verabschiedeten sich überhaupt, weil seither ohnehin nur noch selten die oft zitierte Lehener Atmosphäre zu erleben ist. In diese Zeit fielen auch die großen sportlichen Erfolge der Salzburger Austria, und die Vereinsführung nutzte die österreichweit ausbrechende Salzburg-Euphorie, um dem "Endziel" einen großen Schritt näher zu kommen. Ein unheimlicher Starkult wurde von der Vereinsleitung propagiert, und die äußerst erfolgreiche Mannschaft schien nur noch aus Konrad, Pfeifenberger und Feiersinger zu bestehen. Die Vereinspolitik wurde nun noch mehr in Richtung "Kinderpublikum" ausgelegt, von der "Otto-Konrad-Pappaufstellfigur" bis zum "Heimo Pfeifenberger-Duschgel" konnte die Zahnspangenfront alles erwerben, was ein Kinderherz begehrt. Nach einem schönen Austria Salzburg Schal konnte, und wird man nach wie vor, allerdings vergeblich suchen. Dafür kann man aus einem fast unbegrenzten Angebot von "traditionellen" grün-gelben adidas-Schals und "Fire+jeweiliger Sponsorname"-Umhängern wählen. Daß der "SV Casino Wüstenrot VJV Hypobank ...Salzburg" die Fans ab einem bestimmten Alter wirklich loswerden will, erkennt man auch daran, daß es keine ermäßigte Dauerkarte für Schüer und Lehrlinge im Alter von 16 - 19 Jahren bzw. Studenten gibt. Gerade in einem Alter, wo man die Fans wirklich an den Verein binden kann, muß der junge Fan von einem Tag auf den anderen (nämlich wenn er 16 wird) plötzlich 2000 Schilling statt 400 Schilling für die Dauerkarte zahlen. Klar, daß es sich da viele überlegen, ob sie sich das leisten wollen.

Der Austria gelang es also, in ihrer sportlich erfolgreichsten Zeit viele Anhänger zu vertreiben, und diese nahtlos mit Kindern und (weiblichen) Teenagern aufzufüllen, wodurch der Kinder- und Frauenanteil von (schätzungsweise) 10 auf fast 50 % anstieg. Bei Auswärtsspielen, vor allem im Linzer und Wiener Raum, stieg der Anteil dieser Gruppe sogar auf bis zu 80% an. Anstatt in sportlich erfolgreichen Zeiten auf sein Publikum zu bauen und zusätzliche Fans zu gewinnen, setzte man also auf eine unberechenbare Bevölkerungsschicht, die (bei allem Respekt) im Durchschnitt relativ wenig Ahnung vom Fußball hat.

Um die wenigen noch denkenden Elemente unter Kontrolle zu bringen, wurde "für" (in Wirklichkeit war es gegen die Fans gerichtet) die Fans eine Alibivertretung namens "Fankoordinationsverein" geschaffen. Diese vollkommen überflüssige Vereinigung ist allerdings ein Kapitel (3) für sich. Parallel dazu wurden die wirklichen Fans, die sich dieser sinnlos-Organisation nicht anschlossen, schikaniert, man kann sich gar nicht vorstellen, wie oft uns zum Beispiel im Stadion das Absolut-Transparent vollkommen grundlos entfernt wurde.

Die schwache Saison 95-96 zeigte dann, daß der eingeschlagene Weg der falsche war, denn die sportliche Krise führte zu einem totalen Einbruch im Fanartikelgeschäft und die "Stars" mußten nach der Reihe abverkauft werden. Trotzdem (oder gerade deswegen) holten wir mit einer nobody-Mannschaft 1997 wieder den Titel, aber anstatt aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, begann das ganze Theater wieder von vorne. Zuerst wurde die historische Chance, mit dem Sponsorwechsel die Austria wieder zum offiziellen Vereinsnamen werden zu lassen, leichtfertig verspielt. Ja, es kam sogar noch ärger: das ohnehin schon peinliche Logo enthält nun sogar zweimal (!) den Sponsor-Schriftzug, und das, obwohl die Sponsorsumme von 7 Millionen ÖS pro Jahr sogar für österreichische Verhältnisse bestenfalls Mittelmaß ist. Über die vollkommen wahnwitzige Einkaufspolitik will ich mich an dieser Stelle nicht näher auslassen, nur würde mich folgendes interessieren: wie kann es möglich sein, daß man für diese Saison nach den Europacupdebakeln nun von einem Verlust in Höhe von 35 Millionen Schilling spricht? Waren bei der Planung für die Saison die Championsleague-Einnahmen fix einkalkuliert, oder rechnete man fix mit der Qualifikation für das UEFA-Cuphalbfinale? Jedenfalls sollten die Zuseherzahlen gegen Sparta Prag (knapp 6000) und gegen Anderlecht (knapp 4000!!!) den Verein endlich zum Umdenken bewegen.

Zusammenfassend kann man sagen, daß der "SV Casino Wuestenrot VJV Hypobank ... Salzburg" alles unternommen hat, um seine wirklichen Fans zu vertreiben, denn denkende Anhänger sind offensichtlich unerwünscht. Leider sind aber die echten Fans, die einen Großteil ihrer Freizeit und ihres Geldes der Austria opfern, nun einmal jene, denen die Austria wirklich am Herzen liegt. Und daher ist es ihnen auch nicht egal, wie wir heißen, welches Logo wir haben oder welche Vereinsfarbe.

Um in Salzburg endlich wieder etwas zu bewegen, um die Fußballbegeisterung wieder zu wecken brauchen wir keine "Heimo-Heimholung", sondern es sind grundlegende Strukturen zu ändern (die sogenannten 5 MUSS-s):

1. MUSS endlich mit dem Stadion etwas passieren. Wir können nicht 10 Jahre warten bis vielleicht (oder vielleicht auch nicht) ein neues Stadion gebaut wird. Ob eine Hilfstribüne errichtet wird, oder ob ein Teil der Sitzertribüne wirklich für die Fans geräumt wird, ist egal. Aber ohne Fansektor wird langsam aber sicher der Ofen ausgehen.
2. MUSS die Vertretung der Fans endlich auf eine sinnvolle Basis gestellt werden. Dazu ist es zunächst notwendig, den Fankoordinationsverein aufzulösen, denn es hat keinen Sinn, 50 Fanclubs, zu vertreten, von denen 45 reine "Eintrittskartenfanclubs" sind. Es sollten dann nur noch die maximal 10 aktiven Fanclubs (Absolut, Stierwascher, Tough Guys, Mondsee, Mozartkugeln, die FKV-Kerntruppe, St. Johann, Bad Ischl und von mir aus noch Mattighofen und Cafe Martha) wirklich unterstützt werden, der Rest soll sich seine Dauerkarten gefälligst zum Normalpreis kaufen. Denn ein Fanclub muß mehr tun, als sich beim Verein anzumelden um dann einmal im Jahr die ermäßigten Dauerkarten zu kassieren.

3. kann niemand einem Verein verbieten, mit sinnlos-Fanartikeln Geld zu machen. Aber es MUSS doch möglich sein, auch für die nicht ganz hirnlosen Fans Produkte herzustellen, auf denen "Austria Salzburg" und nicht 20 Mal Wüstenrot oben steht.

4. MUSS der Sponsor aus dem Namen verschwinden und das vollkommen peinliche offizielle Logo durch das alte Austria-Logo (ansehen) abgelöst werden. Vermutlich wird das im laufenden Sponsorvertrag unmöglich sein, aber nach Ablauf des Vertrags muß die Austria endlich handeln, denn mit dem Sponsor im Vereinsnamen und diesem Primitivwappen blamieren wir uns in ganz Europa.

5. MUSS grün-gelb abgeschafft werden weil wir mit diesen Farben überhaupt nichts zu tun haben. Wenn schon unbedingt Auswärtsfarben notwendig sind, warum erkundigt man sich nicht einfach, welche Farben die beiden Vorgängermannschaften der Austria, Hertha und Rapid Salzburg hatten? Mit dieser Kombination könnten sich die Fans sicher identifizieren, und den Adabeis und sonstigen unnötigen Leuten ist die Farbe sowieso wurscht.

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