Wie werde ich Fussballfan?

Ich habe mich schon desöfteren gefragt, warum ich eigentlich zum Fußballfan geworden bin. Warum bin ich nicht so wie 99,99 % der restlichen Menschheit, die entweder überhaupt nichts mit Fußball am Hut hat, oder sich nur dann irgendwelche Vereinsfarben ins Gesicht schmiert, wenn die Mannschaft Europapokalsieger wird, aber keinesfalls irgendetwas mit einer Verlierertruppe zu tun haben will. Warum ist es mir nicht egal, ob wir "Austria", "Wüstenrot", "Casino" oder sonst irgendwie heißen, oder warum kotzten mich die gelb-grünen Schals einiger Möchtegernfans mehr an, als 10 Niederlagen in Serie? Das sind alles Fragen, auf die ich wohl nie eine Antwort finden werde.
Blättern wir vielleicht einige Jährchen zurück, als ich so ungefähr 10 Jahre alt war. Irgendwie begann meine Fankarriere klassisch: man verfolgt einfach das Fußballgeschehen vor dem Fernseher, und hin und wieder wird man vom Vater mit ins Stadion genommen. Zunächst ist das ganze eigentlich gar nicht so aufregend, es grauste mir vor den Leuten, die sich rundherum eine nach der anderen anheizten, und außerdem sieht man am Stehplatz nicht besonders viel, weil man ueber die "Großen" nicht drübersieht. Austria Salzburg war zu dieser Zeit eine klassische Fahrstuhlmannschaft, die alle paar Jahre zwischen der ersten und zweiten Liga pendelte. Trotzdem stellte sich für mich (wie für fast alle Salzburger Fußballanhänger) schon als Kind nie die Frage, welche Mannschaft man unterstützen sollte, auch wenn zeitweise der SAK oder der FC Salzburg sportlich die Nase vorne hatten. Und auf die Idee, Fan einer der zu dieser Zeit "großen" Mannschaften (Rapid, Austria Wien, Innsbruck) zu werden, wäre ich nie gekommen. Im Herbst 1988 kämpfte die Austria gerade wieder einmal in der zweiten Liga um den Einzug in das mittlere play-off, welcher Voraussetzung für den Wiederaufstieg nach 4 Jahren Zweitligadasein war. Gegen Ende der Meisterschaft stand wieder einmal das Derby gegen den FC Salzburg am Programm, und erstmals seit längerer Zeit fuhr ich wieder einmal nach Lehen, diesmal allerdings ohne Vater. Obwohl das Spiel mit der damals fast obligaten Niederlage gegen die Taxhamer endete, faßte ich den Entschluß, auch die restlichen Heimspiele der Austria anzusehen. Einem enttäuschenden 2:2 gegen Krems folgten ein 5:1-Erfolg gegen den FC Dornbirn, die Verpflichtung von Hans Krankl und die schon längst legendär gewordenen Spiele gegen Kufstein und vor allem Spittal, mit dem entscheidenden Siegestreffer von Kurbi in der Nachspielzeit. Dieses Spiel war sicher ein entscheidender Einschnitt in meinem Leben, noch nie hatte ich im Stadion ein ähnliches Glücksgefühl verspürt wie nach diesem 2:1-Sieg, als sich wildfremde Leute um den Hals fielen und sich Szenen abspielten, die man sonst nur vom Hörensagen kennt.

Ab diesem Zeitpunkt versäumte ich kaum noch ein Heimspiel, und langsam wurde auch das Auswärtsfahren ein Thema: das erste "Auswärtsfeeling" erlebte ich (nach 3-stündiger Anreise per Moped!!!) in Kufstein, und die Premiere hätte mit einem 2:0-Erfolg besser nicht sein können. Die Austria sorgte für eine gewaltige Fußballeuphorie in Salzburg, 17000 Zuseher im Heimspiel gegen Sturm Graz bedeuteten z.B. österreichischen Zweitliga-Besuchsrekord. Der Aufstieg wurde dann auch geschafft, und auch meine Auswärtsaktivitäten steigerten sich zunehmend: zunächst besuchte ich nur die "Derbies" in Innsbruck und Steyr, aber bald fuhr ich schon zu jedem Spiel, das zeitlich und finanziell irgendwie machbar war. 1993 gab es dann auch die internationale Premiere, mit dem Auswärtsspiel bei Dunajska Streda, dem dann noch die unvergeßlichen Auftritte in Antwerpen, Frankfurt, Karlsruhe und beim Mailänder UEFA-Cupfinale folgten. Und weil der Mensch immer noch nach höherem strebt, wurde ich langsam auch von der Faszination des groundhoppings erfaßt, sprich, ich wollte nun Spiele in möglichst vielen Stadien und Ländern sehen, auch unabhängig von meinem eigenen Verein. Auf Austria Salzburg - Ebene wurde ich zunächst Mitglied des 87-er Fanclubs, und als dieser in unzählige Kleingruppierungen zerfiel, schloß ich mich 5 weiteren Austria-Fanatikern an, um den Fanclub Absolut zu gründen, mit dem wir in den ersten Jahren doch einiges bewegen konnten. Im Oktober 97 habe ich dann auch den Sprung in das weltweite Netz mit dieser homepage gewagt, um meine Ansichten über Fußball und im speziellen natürlich die Austria Salzburg einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Herbst 98 entschloß ich mich nach eingehender Überlegung, meine Funktionen im Fanclub Absolut zurückzulegen, da sich der Fanclub immer mehr zum Familienausflugsverein entwickelte und kaum mehr Aktivitäten zustande brachte (abgesehen vom Aufhängen des Transparents und dem Verteilen von Fanclubpickerln in aller Herren Länder). In Zukunft werde ich mich im FSC, der Dachorganisation der Austria Salzburg-Fanclubs, engagieren, da es im Zusammenwirken der verschiedenen Fanclubs immer wieder Probleme gibt, die es zu lösen gilt (eine Milleniumsaufgabe, wie ich meine)

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