Mittwoch, 15.10.2003, 20:30
Udinese Calcio - Austria Salzburg 1:2 (1:0)



Es war schon ein ziemlich komisches Gefühl, als wir am frühen Mittwochvormittag den Bus betraten, um nach Udine zu fahren. Eine Strecke, die man schon in- und auswendig kennt, allerdings bisher nur, um Udinese gegen sämtliche Mannschaften der Serie A zu unterstützen. Diesmal war es anders, und trotz der 0:1-Niederlage im Heimspiel war irgendwie eine Aufbruchstimmung zu verspüren, nicht wenige glaubten noch immer an die Chance, auch in der 2. Runde noch dabeizusein.

Wir erreichten Udine zu Mittag und wurden dort schon von unseren Freunden vom Nord Kaos sowie den wichtigsten anderen Gruppen erwartet. Die typisch italienische Gastfreundschaft kam zum Vorschein, nebst gutem Essen gab es vor allem auch jede Menge an Getränken, und das wiederum bis in den frühen Abend - ein Nachmittag den man kaum überbieten kann!
Ca. 2 Stunden vor dem Anpfiff marschierten wir dann gemeinsam zum Stadion, wo sich unsere Wege schließlich trennten. Spätestens beim Warten auf den Einlaß kam dann das typische Europacup-Feeling auf, der Busparkplatz füllte sich nach und nach und beim Anpfiff dürften wohl 900 - 1.000 Violette (einige auch auf der Haupttribüne) unter den 15.000 gewesen sein.

In der Curva Nord, der eigentlichen „Heimat“ der Udine-Fans, hingen nur Spruchbänder: „ein Spiel kann unsere Freundschaft nicht brechen“, „zwei Vereine, zwei Regionen, eine Mentalität“. Da auch wir - der UEFA sei Dank - nicht im üblichen Auswärtssektor stehen durften nutzten wir den Platz und antworteten dort mit: „Salzburg saluta Udine“ und „Onore alla Citta di Udine“. Als Intro hatten die Tough Guys zig weiße und violette Fahnen mitgebracht, die - untermalt von Pyrotechnika - einen würdigen Rahmen für unser „Europacup-Comeback“ darstellten. Berührte der Rauch und die Bengalen die überraschend freundliche italienische Polizei recht wenig, riefen sie allerdings wieder einmal „il Presidente“ auf den Plan. Rudi Q. fuchtelte im Rumpelstilzchen-Stil herum und regte sich ziemlich über die „Rowdies“ auf. Langsam wird´s peinlich, sobald der erste Rauch gezündet wird steht unser Präsi schon vor dem Auswärtssektor, in Zukunft dürfen wohl keine 3 Leute mehr gleichzeitig eine Zigarette rauchen, ...

Nun aber zum Spiel: in der ersten Viertelstunde zeigte die Austria, daß sie nicht gewillt ist, hier kampflos auszuscheiden, doch genau in dieser Phase gelang den Italienern das 1:0, bei dem Arzberger nicht sehr glücklich aussah, obwohl er eigentlich machtlos war. Danach hatte Udine 2-3 hundertprozentige Chancen, die größte vergaben unser aller Freund Carsten „entzückend Baby“ Jancker und Iaquinta, die im 10-Sekunden-Takt an der Latte scheiterten. Aber auch wir hatten noch eine Riesenmöglichkeit, doch der Kopfball von Laessig wurde auf der Linie abgewehrt. Hatte die Austria schon vor der Pause nicht schlecht gespielt so zeigte sie nach dem Wechsel eine noch bessere Leistung, übernahm das Kommando und man spürte, daß die Mannschaft immer noch an ihre Chance glaubte. Als dann nach einer guten Stunde Icke „Freistoßgott“ Hässler den Ausgleich markierte hatte wohl auch der Letzte begriffen, daß uns nur noch 1 Tor vom Einzug in die nächste Runde trennte. So eine Austria hatte man lange nicht mehr gesehen, auch spielerisch ein Top-Leistung, neben Hässler ragte auch Maynor Suazo heraus. Und dann - eine knappe Viertelstunde vor Spielschluß - der Schuß in die Glückseligkeit: De Sanctis konnte nach einer Ecke den Ball nur wegfausten und Ibertsberger stand goldrichtig, beförderte den Ball mit links von der Strafraumgrenze ins leere Tor. Grenzenloser Jubel im Gästesektor, ein unglaubliches Gefühl, doch nun begann auch die Zeit des Hoffens und Bangens. Immer wieder ratlose Blicke auf Uhren und Handys, da man nirgendwo eine Stadionuhr ausmachte, und die Frage „Wia long geht´s no?“

Schußpfiff!!! Die Leute lagen sich in den Armen, jeder wollte jedem gratulieren, unbeschreibliche Gefühle - ein Wahnsinn! Auch die Spieler selbst schienen noch nicht so richtig realisiert zu haben, was sie da eben abgeliefert hatten. Fast kollektiv warfen sie ihre Trikots in unseren Sektor und kosteten ihren Triumph verdientermaßen aus. Sensationell, Burschen!

Noch lange nach Spielschluß wurde auf dem Busparkplatz gefeiert, sch....egal wer wann wo morgen wieder in der Firma zum Arbeiten antanzen mußte - dieser 15. Oktober 2003 wird seinen Platz in den Chroniken von Austria Salzburg finden.

Fast schon entschuldigend für die bittere Niederlage, die wir ihnen zugefügt hatten, verabschiedeten wir uns von den Udinesi und bedankten uns nocheinmal für ihre Gastfreundschaft - wie schon von ihnen erwähnt: dieses Spiel wird unsere Freundschaft nicht brechen, im Gegenteil, es hat sie noch mehr gefestigt!

Als wir Salzburg wieder erreichten konnten einige schon fast direkt zur Arbeit gehen, die Glücklicheren unter uns fielen nur noch ins Bett und träumten schon vom nächsten Gegner! Europa, es ist noch nicht vorbei. Vor 10 Jahren hat das Märchen begonnen... - Laßt uns ein neues schreiben!

Zuseher: 15.000 (ca. 1.000 Salzburg Fans)
Tore:
1:0 (15.) Bertotto
1:1 (61.) Hässler (Freistoß)
1:2 (78.) Ibertsberger


Aktualisierung: 16 .10.2003 | 12:00 Uhr


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