Mittwoch, 24.9.2003, 18:00
Austria Salzburg - Udinese Calcio 0:1 (0:1)

Verdammt lang her, dass wir im Europacup vertreten waren, sieben Jahre,
um genauer zu sein, sind vergangen, seit der kurios-unglücklichen
4:2-Niederlage in Brüssel bei RSC Anderlecht. Über die Auslosung
waren nur sehr wenige glücklich, Udine war sicher alles andere
als das Wunschlos der Salzburger Fanszene, weil sich jeder eine spektakulärere
Auswärtsfahrt gewünscht hätte. Und selbst die Freude,
dass man gegen eine befreundete Fanszene anzutreten hatte, wurde uns
wenige Tage vor dem Spiel durch den tragischen Unfalltod von Matteo,
einem Mitglied des Nord Kaos Udine, genommen.
Die Beerdigung Matteos fand am Spieltag statt, weshalb
etliche Leute von der Curva Nord, vor allem vom Nord Kaos und den
Friulani al Seguito, ihrem Freund die letzte Ehre erwiesen, und auf
die Auswärtsfahrt verzichten mussten. Dazu kam noch die Tragödie
um unser neues Stadion, besser gesagt um den von Pichler & Co.
in den Himmel gelobten Kunstrasen, der uns wieder eine Europacup-Auswärtsheimspiel
bescherte, diesmal auf der Linzer Gugl.
Von Salzburg wurden zwar äußerst günstige
Busfahrten nach Linz veranstaltet, sodass immerhin 12 Busse zustande
kamen, und es fuhren auch etliche Leute privat nach Linz. Aber ein
Heimspiel war es dennoch nicht, bei einem Verhältnis von vielleicht
6500:3000 Fans im Linzer Stadion, das die meisten unserer Spieler
- wenn überhaupt - selber schon lange nicht mehr betreten haben.
Für den verstorbenen Matteo wurde von uns kurz
vor Anpfiff eine Trauerminute im Linzer Stadion organisiert, die vom
mitgereisten Udine Anhang mit Applaus und "Salisburgo"-Chören
gewürdigt wurde. Dazu gab es noch Spruchbänder auf beiden
Seiten für Matteo.
Von uns wurde auch noch eine Choreographie mit drei
Überziehfahnen vorbereitet, die sich für ein "Auswärts-Heimspiel"
sehen lassen konnte. Das Spiel begann relativ unerfreulich, schon
nach wenigen Minuten kam Udine zur ersten Topchance und im Verlauf
der ersten Halbzeit wurde uns leider auch der Klasseunterschied zwischen
Serie A und Ö-Bundesliga klar vor Augen geführt. Udine schien
immer den berühmten Schritt früher am Ball zu sein, beherrschte
Ball und Gegner, während die Austria irgendwie immer hinterherlief.
Verdient daher auch der 0:1-Halbzeitstand, Torschütze Fava nach
einer im Stadion umstrittenen Situation, die laut TV aber korrekt
gewesen sein soll.
In der zweiten Hälfte steigerte sich unsere
Mannschaft, erzeugte teilweise auch Druck, kam aber mit Ausnahme eines
Pfeifenberger-Kopfballs kaum zu nennenswerten Chancen. Udine agierte
nach dem Führungstreffer typisch italienisch und begnügte
sich damit, das 1:0 über die Runden zu bringen, was schlussendlich
auch relativ problemlos gelang. Die Stimmung im Sektor 8 war vor allem
in der zweiten Hälfte dennoch sehr gut, leider gelang es nie,
den Rest des Stadions mitzureißen. Schon traurig, dass selbst
im Europacup nur der übliche Fanblock bereit ist, für die
Unterstützung der Mannschaft die Stimmbänder zu gebrauchen,
während es der Rest bestenfalls schafft, drei Mal für die
Austria aufzustehen.
Nach Spielende besangen sich die befreundeten Kurven
noch gegenseitig, etliche Schals wechselten beim rituellen Europacup-Schaltausch
den Besitzer, und danach ging es für uns doch etwas enttäuscht
wieder retour nach Salzburg. Die Chancen auf den Aufstieg sind nun
sicher nicht mehr allzu groß, aber es sind im Fußball
schon größere Wunder geschehen, daher sollten weder Spieler
noch Fans die Flinte ins Korn werfen. Mit einem Tor sind wir wieder
im Rennen, und ein Europacup-Auswärtsspiel praktisch vor der
Haustür darf sich eigentlich keiner, der sich Fan nennt, entgehen
lassen! Auf nach Udine!!
Zuseher: 9.400 (ca. 1.700 Udine Fans)
Tor:
0:1 (36.) Dino Fava
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